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Rathaussanierung - Das Debakel

Das Debakel um ein Rathaus

Marktleugast - Anfangs gab es Sanierungspläne, dann war der Neubau bereits beschlossene Sache. Schließlich musste sich der Gemeinderat von Marktleugast im Landkreis Kulmbach nach einem von der CSU-Fraktion initiierten Bürgerentscheid dem Bürgerwillen beugen und trotz vielfacher Warnungen des Architekten Harald Schramm eine Sanierung in Angriff nehmen.

Jetzt steht die Gemeinde vor einem Desaster: Nachdem bereits über 220 000 Euro investiert sind, hat der Rat wegen explodierender Kosten - erneut gegen die Stimmen der CSU - den Abriss des Gebäudes beschlossen. Hieß es am Anfang noch, eine "abgespeckte" Sanierung sei für rund 570 000 Euro möglich, liegt die Kostenschätzung bei mittlerweile weit über 700 000 Euro.

Bürgermeister Norbert Volk, der von Anfang an gegen die Sanierung war, spricht gar von bis zu einer Million. Er ist erleichtert über den mehrheitlich gefassten Abrissbeschluss. "Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende", sagt er, wohl wissend, dass er wegen der bereits verbauten 220 000 Euro unter Beschuss steht. Die CSU wirft ihm nun unter anderem vor, dass die Sanierungsarbeiten "unter einem vernünftigen Bürgermeister" fast abgeschlossen sein könnten. Auch habe sich der Rat noch in keiner Weise über Alternativen Gedanken gemacht. Dies sieht der Bürgermeister allerdings gelassen: "Wir haben jetzt jede Menge Zeit", sagt er. Schließlich sei die Verwaltung - Marktleugast hat eine Verwaltungsgemeinschaft mit der Nachbargemeinde Grafengehaig - gut in der alten Schule untergebracht. Das Gebäude sei zwar zunächst als Provisorium bis zum Ende der Sanierungsarbeiten vorgesehen gewesen, doch spreche nichts gegen einen längeren Aufenthalt.

Die Mitarbeiter der Verwaltungsgemeinschaft fühlen sich in ihrer neuen Unterkunft übrigens ausgesprochen wohl. Sie wollten auch gar nicht mehr zurück in das Rathaus, und das hat seinen guten Grund: Nachdem vor Jahren einige ihrer Kollegen an Krebs erkrankt waren, hatte die Gemeinde Schadstoffuntersuchungen vornehmen lassen. Das erschreckende Ergebnis: Die Radonbelastung, vor allem im Keller des Gebäudes, war viel zu hoch. Zwar sanken die Werte nach entsprechender Belüftung wieder, doch hatten Bürgermeister Norbert Volk und sein Grafengehaiger Amtskollege Werner Burger in ihrer Fürsorgepflicht nach wie vor gesundheitliche Bedenken; dies umso mehr, als nun im Laufe der Sanierungsarbeiten auch noch massiver Schimmelbefall an feuchten Wänden hinter den Einbaumöbeln ans Tageslicht kam. Das alles führte dazu, dass der Gemeinderat Mitte Juni trotz Protestes der CSU-Fraktion einen vorübergehenden Baustopp verhängte.

Die Vertreter der CSU sind nach wie vor der Überzeugung, dass die Schadstoff-Probleme behoben werden könnten, wenn alle von den Bausachverständigen vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt würden. Tatsache ist aber, dass diese zusätzlichen Arbeiten die Sanierungskosten erneut in die Höhe treiben würden. Dazu kommt, dass sich durch den vorübergehenden Baustopp die Arbeiten am Rathaus so verzögert haben, dass ein Zuschuss der Regierung von Oberfranken verloren gehen könnte.

CSU-Fraktionssprecher Daniel Schramm ist wie seine Fraktionskollegen enttäuscht über den mehrheitlichen Abriss-Beschluss. "Ich bin überzeugt, dass wir die Sanierung hingekriegt hätten", erklärt er.

Nun steht die Gemeinde vor einem "Scherbenhaufen". 220 000 Euro sind verbaut, 218 000 Euro Zuschuss fallen weg und im Moment weiß niemand, wie es weitergehen soll. Das Positive an der Geschichte ist laut Bürgermeister Norbert Volk, dass die Gemeinde nicht noch mehr Geld für ein Gebäude ausgibt, das niemals Ruhe geben würde. "Die Sanierung ist ein Fass ohne Boden", sagt er, und ist froh, dass die Mitarbeiter gut in der alten Schule untergebracht sind.

Der Abriss des Rathauses kostet übrigens 15 000 Euro.

 

Chronologie

Frühjahr 2008: Die Gemeinde stellt erste Sanierungspläne zurück, weil die Kosten von 350 000 Euro zu hoch erscheinen.

Frühjahr 2009: Als die Krebsrate unter den Mitarbeitern im Rathaus ungewöhnlich hoch ist, veranlasst der Gemeinderat Schadstoffmessungen. Das Ergebnis: Die Radon-Werte sind viel zu hoch.

August 2009: Der Gemeinderat beschließt gegen die Stimmen der CSU einen Neubau, worauf die CSU einen Bürgerentscheid zur Sanierung des Gebäudes initiiert.

November 2009: Die Freien Wähler um Bürgermeister Norbert Volk setzen ein Ratsbegehren dagegen.

Januar 2010: Die Marktleugaster sprechen sich für die Sanierung und gegen einen Rathaus-Neubau aus.

März 2011: Die Sanierungsarbeiten beginnen, die Verwaltung zieht ins alte Schulhaus um.

April 2011: Die Bauarbeiter stoßen auf erhebliche Feuchtigkeitsschäden, die der zuständige Architekt Harald Schramm von Anfang an befürchtet hatte.

Juni 2011: Nach zwei Schimmelpilz-Untersuchungen beschließt der Rat gegen die Stimmen der CSU einen vorübergehenden Baustopp.

11. Juli 2011: Der Gemeinderat beschließt, erneut gegen die Stimmen der CSU, den Abriss des Gebäudes. Die geschätzten Kosten für die Sanierung liegen nun zwischen 700 000 und einer Million Euro. Ein Ende der Kostensteigerung ist nicht in Sicht.

 

Quelle: frankenpost.de