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Interview mit Hubert Aiwanger

 Bericht der Bayerischen Rundschau vom 20.02.2008

 

"Bekommen fünf Prozent plus X"

 

INTERVIEW Landesvorsitzender Hubert Aiwanger glaubt, dass die Freien Wähler „in den Köpfen der Bürger angekommen" sind und in den Landtag einziehen. Für die CSU sieht er zunehmend Probleme.
 
Thurnau/Neuensorg - Den Besuch des Landesvorsitzenden der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, im Landkreis Kulmbach, nahm die BR zum Anlass, mit dem Agraringenieur aus Rottenburg an der Laaber in Niederbayern ein Interview zu führen. Der 37-jährige, unverheiratete Aiwanger ist als „Idealist" in die Politik gekommen und hat sich das Rüstzeug über die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung zugelegt. Doch heute -gewissermaßen als „Trojanisches Pferd" - kritisiert er die Politik der Christsozialen mitunter sehr hart.

BR: Herr Aiwanger, bei der Vorstellung als Bewerber für den Landesvorsitz waren sie damals in Himmelkron leidenschaftlich und voller Emotionen. Sie schlagen jetzt etwas gemäßigtere Töne an.
Aiwanger: Der jetzige Termin in Thurnau war keine Wahlveranstaltung. Ich musste die Mitglieder nicht groß überzeugen, sondern hatte nur die Themen sachlich abzuarbeiten und Ehrungen vorzunehmen. Das ist natürlich ein anderer Rahmen als eine Vorstellungsrede.
BR: Wir beurteilen Sie die Situation der Freien Wähler bei der Kommunalwahl am 2. März?
Aiwanger: Ich bin überzeugt, dass wir deutlich zulegen werden. Zehn Prozent kann ich mir durchaus vorstellen. Wir haben einen Rie-senzulauf- junge Leute, Frauen, neue Ortsverbände. In der CSU ist mittlerweile Heulen und Zäh-neknirschen angesagt, nicht überall, aber zunehmend. Die Freien Wähler sind in den Köpfen der Bürger angekommen.
BR: Und wie schaut es mit dem Einzug in den Landtag aus?
Aiwanger: Da gehen wir fest davon aus. Wir haben ja letztes Mal bereits vier Prozent gehabt trotz deutlich schlechterer Rahmenbedingungen, denn wir waren schlechter organisiert. Die CSU war damals auf dem Höhepunkt ihrer Umfragewerte und auch auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit. Stoiber war unantastbar, und heute hat die CSU Probleme. Wir sind stärker geworden, das heißt, wir bekommen die fünf Prozent plus X.
BR: Sind die Freien Wähler nun eine Partei oder nicht?
Aiwanger:Das kann man definieren, wie man will. Es gibt Leute, die sehen jede Gruppierung, die Politik betreibt, als Partei. Ich sehe das relativ emotionslos, aber bin der Meinung, wir sind es eigentlich nicht. Bei uns gibt es keine von oben vordiktierte Meinungen, sondern Basisdemokratie.
BR: Die derzeit amtierende Landrätin von Fürth, Gabriele Pauli, war für die Freien Wähler kein Thema. Warum nicht?
Aiwanger: Wir hatten damals ein Gespräch, noch vor der Handschuhgeschichte. Ich glaube aber, wir sind derzeit auch aus eigener Kraft stark genug, die Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen und die Themen zu besetzen. Wir sind damit nicht unbedingt auf eine Frau Pauli angewiesen.
BR: Gab es seitdem nochmals Kontakt mit der schönen Landrätin?
Aiwanger: Nicht direkt, aber natürlich hat man immer wieder über gewissen Umwege Kontakte, um zu sehen, wo der Hase hinläuft. Aber es gibt keine nähere Verhandlungen oder Gespräche, die zu einem Ziel führen sollen.
BR: Wie schwer ist es für einen Niederbayer, in einer CSU-Bastion wie zum Beispiel die Region um Landshut Politik zu machen?
Aiwanger: Da ist es nicht anders als in anderen Gebieten Bayerns, wenn man feste Standpunkte hat. Wir sind ja nicht vom ganz anderen Ufer, sondern kommen aus der bürgerlich-konservativen Mitte heraus und greifen ja eher die Versäumnisse der CSU auf, anstatt einen Systemwechsel zu wollen. Wir sagen nur, die CSU ist nicht mehr das, was sie mal war. Hier muss frischer Wind rein, die müssen wieder auf Vordermann gebracht werden. Die Themen diktieren wir mittlerweile im gewissen Umfang, weil die Leute zu uns kommen.
BR: Hatten Sie als Landesvorsitzender schon einmal Kontakt mit Ministerpräsident Dr. Günther Beck-stein oder mit seinem Vorgänger Dr. Edmund Stoiber?
Aiwanger: Nein. Ich laufe denen nicht hinterher. Die gehen ja auch nicht auf mich zu, um mich nicht aufzuwerten.
BR: Wen mögen Sie lieber, Beckstein oder Stoiber?
Aiwanger: Gut, ein Beckstein hat angeblich mehr mit Sympathie zu tun als ein Stoiber, wobei ich sagen muss, Stoiber war eigentlich ein klarer Politiker, der klare Themen vorgegeben hat, auch wenn er zum Ende seiner Karriere etwas Zickzack gefahren ist. Bei Beckstein weiß man jetzt nicht ganz, wo er überhaupt hin will. Er vermeidet jede Unannehmlichkeit, ist irgendwo nicht zu fassen. Ich glaube nicht, dass er den Erfolgsweg eines Edmund Stoiber nachzeichnen kann.